Tschechische Technologieunternehmen und Start-ups standen jahrelang vor einem Paradoxon: Der Staat bot zwar Steuervergünstigungen für Forschung und Entwicklung (F&E) an, doch aufgrund der extremen Bürokratie und der strengen Haltung der Finanzbehörden scheuten sich die meisten Unternehmen, diese in Anspruch zu nehmen.
Die am 1. Januar 2026 in Kraft getretenen Regelungen bringen jedoch eine grundlegende Wende. Sie machen die Steuersätze attraktiver und verändern vor allem die Spielregeln hinsichtlich der gefürchteten Projektdokumentation. Wie funktioniert das Ganze, was können Sie konkret absetzen und wie lässt sich der gesamte Prozess korrekt verbuchen?
1.Der Reiz der doppelten Nutzung: Wie der Steuerabzug eigentlich funktioniert
Der Steuerabzug für Forschung und Entwicklung ist keine EU-Förderung, bei der Sie auf die Ausschreibung eines Programms warten und hundertseitige Anträge verfassen müssen. Es handelt sich um ein Instrument, das Sie über Ihre Steuererklärung vollständig selbst in der Hand haben.
Das Prinzip beruht auf der sogenannten doppelten Berücksichtigung von Ausgaben. Laufende Entwicklungskosten (beispielsweise das Gehalt eines Entwicklers) werden standardmäßig in Ihrer Buchhaltung verbucht und verringern Ihre Steuerbemessungsgrundlage. Der Clou dabei ist, dass Sie bei der Forschungs- und Entwicklungssteuervergünstigung genau diese Kosten noch einmal außerhalb der Buchhaltung von der Steuerbemessungsgrundlage abziehen. Dadurch senken Sie legal und erheblich die gesamte Körperschaftsteuer, und das eingesparte Geld verbleibt im Unternehmen.
2.Was sich geändert hat: Vergleich der Regelungen (bis 2025 vs. ab 2026)
Die neue Gesetzgebung zielt vor allem auf die Verringerung des Verwaltungsaufwands (das sogenannte „Ende der Projekt-Hölle“) und eine stärkere Förderung kleiner und mittlerer Unternehmen ab.
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Parameter |
Bis Ende 2025 |
Ab dem 1. Januar 2026 |
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Grundsatz des Steuerabzugs |
100 % der abzugsfähigen Ausgaben |
150 % der abzugsfähigen Ausgaben (bis zu einer Höhe von 50 Mio. CZK) |
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Erstellung der Unterlagen |
Extremer Formalismus. Die Unterlagen mussten zwingend vor Beginn der Arbeiten unterzeichnet werden. |
Betonung des materiellen Prinzips. Sie kann im Laufe des Jahres angepasst und fertiggestellt werden. |
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Vorgehensweise der Finanzverwaltung |
Strafen auch bei fehlendem Datum auf dem Dokument, selbst wenn die Entwicklung nachweislich stattgefunden hat. |
Bewertung in erster Linie danach, ob die Forschung tatsächlich stattgefunden hat und welche Hindernisse dabei überwunden wurden. |
3.Was Sie als Kosten geltend machen können (und was die Behörde ablehnt)
Das Gesetz legt eindeutig fest, welche konkreten Ausgaben Sie mit dem vorteilhaften Satz von 150 % multiplizieren können. Die Regeln sind hier sehr streng.
Was zum ABZUG gehört:
- Gehälter der festangestellten Mitarbeiter (Vollzeit): Gehälter von Entwicklern, Ingenieuren, Testern sowie eines Teils der Arbeitszeit des Projektmanagers. Voraussetzung ist eine lückenlose Zeiterfassung (Timesheets), damit Sie nur die Zeit geltend machen, in der nachweislich an der Forschung gearbeitet wurde.
- Abschreibungen auf Betriebsvermögen: Der anteilige Betrag der steuerlichen Abschreibungen auf eigene Server, 3D-Drucker, CNC-Maschinen oder Messgeräte, die für das jeweilige Projekt genutzt werden.
- Verbrauchsmaterial: Physische Bauteile, Metalle, Kunststoffe oder Elektronik, die Sie beim Bau und Testen von Prototypen zerstören oder unwiederbringlich verbrauchen.
Was NICHT abzugsfähig ist (häufige Fehler):
- Dienstleistungen und Rechnungen an eine Gewerbeanmeldung (IČO): Dies ist eine Falle für viele Unternehmen. Wenn Sie Programmierer oder Ingenieure über eine Gewerbeanmeldung (IČO) bezahlen (B2B/Schwarzarbeit), handelt es sich steuerlich um den Erwerb einer Dienstleistung, die nicht steuerlich geltend gemacht werden kann.
- Verträge (DPP/DPČ): Wenn Sie dafür keine Sozial- und Krankenversicherungsbeiträge abführen, fallen sie nicht unter den Abzug.
- Cloud und API: Zahlungen für AWS-Server, Software-Abonnements oder Zahlungen für Tokens. Auch hier handelt es sich um bezogene Dienstleistungen kommerzieller Anbieter.
4. Gewöhnliche Innovation vs. echte Forschung (Sichtweise der Behörde)
Hier begeht die Wirtschaft die größten Fehler. Für den CEO ist jede neue Produktfunktion „Entwicklung“. Das Finanzamt orientiert sich jedoch am strengen internationalen Frascati-Handbuch.
Die Trennlinie ist die technologische Unsicherheit. Eine gewöhnliche Innovation bedeutet, dass man weiß, wie man sie technologisch umsetzt (man verwendet Standardverfahren und vorhandene Komponenten), nur weiß man nicht, ob sich das Produkt verkaufen wird. Echte Forschung bedeutet, dass man sich zu Beginn mit einem Problem befasst, bei dem überhaupt nicht klar ist, wie es gelöst werden kann.
Ein konkretes Beispiel aus der Praxis: Die Entwicklung einer industriellen IoT-Lösung
- Alltägliche Innovation: Einsatz intelligenter Sensoren zur Temperatur- und Vibrationsmessung in einer Produktionslinie. Sie kaufen fertige Sensoren, verbinden diese über Standard-WLAN oder Bluetooth und senden die Daten mithilfe einer bestehenden API an die Cloud, wo sie im Dashboard angezeigt werden. Es handelt sich um eine Innovation für Ihr Unternehmen, technologisch gesehen verbinden Sie jedoch lediglich bereits vorhandene Bausteine miteinander.
- Echte Forschung und Entwicklung: Sie müssen Daten im Inneren eines Industrieofens messen, in dem extreme elektromagnetische Störungen und Temperaturen herrschen, wo herkömmliche Sensoren sofort ausfallen und kein WLAN-Signal durchkommt. Sie müssen eine völlig neue Art von Hardware-Gehäuse unter Verwendung nicht standardmäßiger Legierungen entwickeln und ein eigenes Kommunikationsprotokoll programmieren, das Rauschen filtern kann und eine unterbrechungsfreie Übertragung gewährleistet. Eine solche Lösung gibt es auf dem Markt nicht, Sie müssen verschiedene Materialien und Algorithmen testen, und es besteht die reale Gefahr, dass es überhaupt nicht funktioniert. Das ist Forschung in Reinform.
5.Wie man das richtig verbucht (Methodik für Buchhalter)
Für Buchhalter ist es entscheidend, eines zu verstehen: Der Steuerabzug für Forschung und Entwicklung bedeutet keine „doppelte Verbuchung“ in der Gewinn- und Verlustrechnung auf den Aufwandskonten.
Alle Betriebskosten (Löhne, Material, Abschreibungen) werden im Laufe des Jahres ganz normal zu 100 % auf die Kostenkonten der Klasse 5 verbucht. Der Zauber des 150-prozentigen Abzugs vollzieht sich erst außerbuchhalterisch bei der Erstellung der Körperschaftsteuererklärung (DPPO).
Damit das Finanzamt den Abzug in der Steuererklärung jedoch nicht beanstandet, muss der Buchhalter drei wesentliche Schritte befolgen.
Schritt 1: Obligatorische analytische Buchführung
Das Einkommensteuergesetz (§ 34) schreibt vor, dass die Kosten für Forschung und Entwicklung in separaten analytischen Konten erfasst werden müssen. Wenn der Buchhalter die F&E-Kosten mit den laufenden Betriebskosten in einem einzigen Sammelkonto zusammenfasst, verliert das Unternehmen seinen Anspruch auf den Steuerabzug.
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Synthesekonto |
Analytisches Konto für F&E |
Kontoname |
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521 – Bruttolöhne |
521 100 |
Löhne der Entwickler – F&E-Projekt A |
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524 – Gesetzliche Sozialversicherung |
524 100 |
Sozial- und Krankenversicherung F&E A |
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501 – Materialverbrauch |
501 100 |
Material- und Komponentenverbrauch F&E A |
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551 – Abschreibungen auf Vermögenswerte |
551 100 |
Abschreibungen auf Hardware/Maschinen, die der Forschung und Entwicklung A zugeordnet sind |
Praktischer Tipp für Buchhalter: Wenn ein Unternehmen mehrere Forschungsprojekte gleichzeitig durchführt, müssen für jedes Projekt separate Konten (ggf. Kostenstellen/Aufträge) angelegt werden (z. B. 521 101 für Projekt A, 521 102 für Projekt B).
Schritt 2: Verknüpfung mit den Primärbelegen (Audit Trail)
Jeder Betrag auf dem F&E-Analysekonto muss bis zum Originalbeleg zurückverfolgt werden können:
- Löhne und Gehälter (521 xxx / 524 xxx): Als Beleg dient die monatliche Arbeitszeitabrechnung (Timesheet) mit Stundensatz.
- Abschreibungen (551 xxx): Als Beleg dienen die Anlagenkarte und ein interner Zuordnungsbeleg (z. B. 60 % Nutzung des Servers für Forschungszwecke).
- Material (501 xxx): Als Beleg dient der mit dem Projektcode gekennzeichnete Lagerausgangsschein.
Schritt 3: Ausweis in der Körperschaftsteuererklärung und Verbuchung der Steuerersparnis
Am Ende des Steuerzeitraums addiert der Buchhalter die Salden aller für Forschung und Entwicklung bestimmten analytischen Konten.
- Berechnung in der Steuererklärung (außerbuchhalterisch): Bei einer Summe der Aufwendungen auf den F&E-Analysekonten in Höhe von 10.000.000 CZK beträgt der geltend gemachte 150-prozentige Abzug:
10 000 000 CZK = 15 000 000 CZK
Dieser Betrag wird in Tabelle F des separaten Anhangs zur Körperschaftsteuererklärung eingetragen und anschließend in Zeile 242 (von der Steuerbemessungsgrundlage abzugsfähige Posten) übertragen.
- Die eigentliche Verbuchung der Einkommensteuer: Da Zeile 242 die Steuerbemessungsgrundlage um 15 Millionen CZK verringert, ergibt sich für das Unternehmen eine geringere Einkommensteuer (bei einem Steuersatz von 21 % spart es 3.150.000 CZK an Steuern). Der Buchhalter verbucht die endgültige, bereits reduzierte Steuer nach dem üblichen Schema:
MD(soll) 591 (Fällige Einkommensteuer) / DAL (haben) 341 (Einkommensteuer)
Durch den geringeren Aufwand auf dem Konto 591 steigt automatisch der Nettogewinn nach Steuern (wirtschaftliches Ergebnis), der dem Unternehmen verbleibt und auf die folgenden Jahre vorgetragen wird.
6.Wie man Projektunterlagen erstellt und die Prüfung besteht
Die Projektdokumentation ist für ein Unternehmen das Wichtigste – sie ist der Schutzschild, der Sie vor einer Nachforderung bei einer Prüfung durch das Finanzamt schützt. Der häufigste Fehler, den Unternehmen begehen, ist, dass sie diese Dokumentation wie einen Marketing-Pitch für Investoren verfassen (wie großartig das Produkt sein wird und wie viel Gewinn es einbringen wird). Einen Beamten oder Gerichtssachverständigen interessiert jedoch nur eines: der technische Bericht über die Lösung des Problems.
Trotz der ab 2026 geltenden lockeren Vorschriften muss die Dokumentation die gemäß § 34c des Einkommensteuergesetzes vorgeschriebenen Angaben enthalten. In der Regel reichen 3 bis 7 Seiten qualitativ hochwertiger Text aus, der in zwei Teile gegliedert ist.
Teil A: Formale Anforderungen (erforderliches Minimum)
Hier darf kein einziger Punkt fehlen, sonst ist das Projekt von Anfang an ungültig. Meistens erfolgt dies in Form einer Tabelle auf der ersten Seite:
- Identifikation: Grundlegende Angaben zu Ihrem Unternehmen (Name, Sitz, Handelsregisternummer).
- Fristen: Genaue Festlegung des Projektzeitraums (z. B. 1. April 2026 – 31. Dezember 2027).
- Wer wird das Projekt durchführen: Projektdurchführung. Liste der Schlüsselpersonen (Entwicklungsleiter, fachliche Garanten) und deren Qualifikationen für die jeweilige Forschung. Sie müssen nicht alle Nachwuchskräfte aufführen.
- Budget: Voraussichtliche Gesamtausgaben für die Projektdurchführung und deren geschätzte Aufteilung auf die einzelnen Jahre (z. B. Schätzung für das Jahr 2026: 2 Mio. CZK, für 2027: 1,5 Mio. CZK). Es handelt sich um eine Schätzung zu Planungszwecken; die tatsächlichen Ausgaben können davon abweichen.
- Kontrolle: Art und Weise der Kontrolle und Bewertung des Projektfortschritts (z. B. regelmäßige monatliche Code-Reviews und vierteljährliche Berichte an die Unternehmensleitung über erreichte Meilensteine).
Teil B: Projektziele (Hier entscheidet sich alles)
Dies ist der Kern der gesamten Dokumentation. Hier belegen Sie das Vorliegen technologischer Unsicherheiten (siehe Punkt 4). Sie müssen den Text so formulieren, dass auch ein Nicht-IT-Experte (oder ein Beamter mit Hilfe eines Experten) versteht, worin das Problem bestand. Unterteilen Sie diesen Abschnitt in drei logische Absätze:
- Stand der Technik (Ausgangssituation und Einschränkungen): Beschreiben Sie kurz, was derzeit auf dem Markt oder im Unternehmen funktioniert und vor allem, warum dies nicht mehr ausreicht. Beispiel: „Die aktuellen Kommunikationsprotokolle XY können Daten in der Zeit Z übertragen. Für unseren speziellen Fall versagt diese Lösung jedoch aufgrund von Einschränkungen der Netzwerkbandbreite bei einer Auslastung von mehr als X Anfragen.“
- Technologische Herausforderung (eigenes F&E-Ziel): Definieren Sie ein Problem, für das es keine Anleitung oder fertige Bibliothek gibt. Beispiel: „Ziel des Projekts ist daher die experimentelle Entwicklung einer eigenen asynchronen Datenbankarchitektur, die in der Lage ist, die Verarbeitung unstrukturierter Daten in Echtzeit zu skalieren, was mit standardmäßigen relationalen Datenbanken nicht möglich ist.“
- Vorgehensweise (So werden Sie den Test durchführen): Erläutern Sie, dass Sie mit Fehlern rechnen und verschiedene Ansätze ausprobieren werden. Beispiel: „In der ersten Phase werden wir den Algorithmus A testen. Sollten wir an die Speichergrenze stoßen, werden wir mit der Entwicklung des alternativen Moduls B fortfahren. Die Funktionsfähigkeit werden wir durch Stresstests in einer simulierten Umgebung überprüfen.“
Die goldene Regel zum Schluss: Denken Sie daran, dass Forschung ein Prozess ist. Selbst wenn Sie Ende 2027 feststellen, dass der von Ihnen eingeschlagene Weg ins Leere geführt hat, die Architektur nicht funktioniert und Sie das Projekt abbrechen müssen, verlieren Sie Ihren Anspruch auf den Steuerabzug für den gesamten Zeitraum nicht. Sie sind in eine „Sackgasse“ geraten, was laut Frascati-Handbuch ein gültiges Forschungsergebnis darstellt. Die Dokumentation muss Sie auch im Falle eines Misserfolgs absichern.
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